Die Talgdrüsenerkrankung Akne wird oft als lästige aber vorübergehende Krankheit zumeist männlicher Jugendlicher abgetan. Der beschönigende Ausdruck “Mitesser” (Komedo) für die Drüsenverstopfung, für die “Pickel”, täuscht aber schnell darüber hinweg, dass einige Akneformen schwer entzündliche Krankheiten sind. Sie können auf Grund ihrer Entstellungen und auch Narbenbildungen massive seelische Probleme hervorrufen, die bis zum Suizid führen können. Dies wird vor allem bei der “Acne conglobata” beobachtet, deren Fistelkomedonen fast immer zu Vernarbungen führen.
Die Entstehung der Akne ist bis heute medizinisch nicht wirklich geklärt, weshalb sich eine medikamentöse Behandlung sehr schwierig gestaltet. Die häufigste, die gewöhnliche Akne, die auf Grund der Änderungen im Hormonhaushalt während der Pubertät verbreitet auftritt, aber auch ohne Behandlung mit der körperlichen Reife ab dem 20ten Lebensjahr wieder abklingt, ist ein sogenannte endogenes, also vom Körper selbst hervorgerufenes Krankheitsbild. Auch eine in höherem Lebensalter durch Stoffwechselerkrankungen hervorgerufene Akne (“Acne tarda”) ist endogener Natur und verschwindet mit der Grunderkrankung wieder.
Schwerwiegender sind exogene Formen der Akne bis hin zur Fistel- und Knotenbildung, deren Ursprung (Genese) schwer einzugrenzen ist. Da sie häufig stark abhängig von der Konstitution und dem Lebenswandel der Betroffenen abhängig sind, kann vor allem durch die Änderung des Lebensstils eine Besserung erreicht werden. Viele äußerlich angewendete Mittel bewirken oft das Gegenteil des Erhofften, wenn z.B. allergische Reaktionen ausgelöst werden und sich die Akne noch verstärkt. Komedogene Stoffe, die sehr häufig in Kosmetika vorkommen, können nur durch Vermeidung am Wirken gehindert werden, damit die Bildung der Mitesser durch die natürliche Erneuerung der Haut wieder aufhört. Rauchen kann bei Einzelnen die Hauptursache ebenso sein, wie die übermäßige oder ausschließliche Zufuhr von Fast Food bei der Ernährung. Wegen der Komplexität der Entstehung (Parthogenese) sollte bei starker Akne auf jeden Fall der Hautarzt eingeschaltet und die Pharmawerbung “ausgeschaltet” werden. Doch selbst manche fachärztliche Behandlung ist nicht unumstritten.
Als Geheimwaffen gelten seit den 80er Jahren Präparate mit Isotretinoin (13-cis-Retinsäure). Sie kamen 1982 durch das Schweizer Unternehmen La Roche auf den Markt und sind inzwischen auch als Generika verfügbar. Bekannte Markennamen sind Accutane (USA) bzw. Roaccutan. Die Wirksamkeit von Roaccutane, genauer dem Wirkstoff Isotretinoin, ist unbestritten. Durch die Verringerung der Talgproduktion geht die Bildung der “Pickel” spürbar bis fast vollständig zurück. Die wird aber durch deutliche bis erhebliche Nebenwirkungen erkauft. In den USA wird sogar erwogen, ein Verschreibungsverbot für Schwangere zu verfügen. Selbst der Hauptproduzent, Hoffmann – La Roche, warnt Schwangere ausdrücklich.
Die meisten Nebenwirkungen beziehen sich hauptsächlich auf die Haut. Sowohl die Außenhaut (Epidermis) als auch die Schleimhäute trocknen aus. Dies führt fast immer zu sekundären Erscheinungen: Schuppenbildung, Lippenaustrocknung, Nasenbluten, Augenentzündungen. Die Haut leidet unter höherer Verletzbarkeit und schlechterer Heilung mit erhöhter Narbenbildung, selbst bei kleinsten Kratzern. Verkehrsteilnehmer und Maschinenbediener sehen wegen Augentrockenheit schlechter. Vor Nachtfahrten muss wegen spontaner Anfälle gewarnt werden. Eine Reihe weiterer Nebenwirkungen mit bis zu 30prozentiger Wahrscheinlichkeit wurde beobachtet, die aber nicht immer und nicht ausschließlich von Isotretinoin herrühren müssen: Beeinträchtigung fast aller Leberwerte (Fettstoffwechsel), Unverträglichkeit mit Vitamin A, Muskel- und Gelenkschmerzen, Unsicherheit bei der Pille, Nierenentzündungen, Nervenerkrankungen, psychische Störungen (Depressionen) und Anderes mehr.
Fazit: Roaccutan kann erfolgreich gegen Akne eingesetzt werden und wirkt gegen starke Ausbildung der Pickel und damit auch gegen eine Ausbreitung von sekundären Hautentzündungen, z.B. durch Kratzen. Da es ohnehin verschreibungspflichtig ist, sollte es aber ausdrücklich nur nach Konsultation eines Hautarztes eingesetzt werden. Roaccutan hat deutliche Nebenwirkungen, die teilweise immer und teilweise häufig auftreten. Isotretinoin ist ein Wirkstoff, der nicht leichtfertig wegen eines oberflächlichen Erfolges eingesetzt werden darf.
Roaccutan sollte nur nach gründlicher Abwägung der Prioritäten bei sehr starker Akne und unter Beobachtung durch einen Facharzt eingenommen werden.

