„Du Opfer“ – eines der neuen Modeworte aus der heutigen Jugendsprache. Diese und ähnliche Aussprüche sind auf Deutschlands Pausenhöfen häufig zu hören und sind kennzeichnend für eine traurige und gleichzeitig besorgniserregende Entwicklung. Denn Mobbingopfer findet man heute nicht nur in der freien Wirtschaft am Arbeitsplatz, sondern zunehmend auch in Klassenzimmern beziehungsweise generell im Schulkontext.
Verschiedenen pädagogisch-psychologischen Studien zufolge wurde im letzten Jahr beinahe jeder dritte Schüler von den eigenen Klassenkameraden bloßgestellt und schikaniert. Unter Mobbing fällt jedoch nicht nur körperliche Gewalt. Dazugezählt werden auch verbale Gewalt, emotionale Erpressung oder die soziale Gewalt, das heißt das isolieren und ausgrenzen von einzelnen Schülern beziehungsweise die bewusste Zerstörung von Freundschaften. In einer anderen erst kürzlich veröffentlichen Untersuchung gab mehr als ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen an Mitschüler gemobbt zu haben und zum Teil sogar körperliche Gewalt eingesetzt zu haben.
Die von Mobbing betroffenen Kinder und Jugendlichen sind dabei nicht nur den psychisch belastenden Situationen ausgesetzt, sie haben auch eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit, psychische, psychosomatische und auch physische Folgen davonzutragen. Mögliche Beschwerden können dabei Kopf-, Rücke- oder Bauchschmerzen oder Schlafstörungen sein. Die Mobbingerfahrungen wirken sich auch auf das Sozialverhalten der Betroffenen aus, so dass sie sich eher zurückziehen, viel zu Hause sind und wenig mit anderen Kindern und Jugendlichen unternehmen.
Doch wie kommt es dazu, dass viele Kinder und Jugendliche diese sehr belastenden und schmerzvollen Erfahrungen machen müssen? Generell lässt sich sagen, dass Mobbing als gruppendynamischer Prozess auf ein gestörtes Interaktions- und Kommunikationsverhalten innerhalb eines sozialen Gefüges – zum Beispiel einer Klassengemeinschaft darstellt. Als Opfer „auserkoren“ werden dabei Kinder und Jugendliche, die sich in bestimmten Verhaltensweisen und Eigenschaften von der Mehrheit der Klasse beziehungsweise von beliebten Schülern oder den Bullies, also den Mobbingtätern, abheben. Dabei ist es nebensächlich ob diese Unterschiede auf physische oder psychische Merkmale zurückzuführen sind. Auch die materielle und familiäre Situation einzelner Kinder kann in diesem Zusammenhang von Bedeutung sein. So können Schüler, die nicht die angesagteste Markenkleidung tragen können, die aufgrund ihrer geringen finanziellen Ressourcen nicht an allen Aktivitäten teilnehmen können oder die aufgrund eines Umzugs neu in das Klassengefüge eintreten, leichter zum Mobbingopfer werden. In der Pubertät kommen erschwerend die körperlichen Veränderungen bedingt durch die hormonellen Veränderungen und die körperliche Reifung sowie die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale als Risikofaktoren hinzu. Die Zeit der Pubertät stellt große Herausforderungen an die jungen Menschen. Die körperlichen Veränderungen müssen in das Selbstbild integriert werden, es gilt eine eigene Geschlechtsidentität aufzubauen. Gerade in dieser Zeit sind Jungen und Mädchen anfällig und sensibel bezüglich ihres Selbstbildes. Wenn sie dann zum Beispiel aufgrund ihrer pubertär bedingten Akne, der nun notwendigen Brille, ihres Körperwachstums oder der ersten Barthaare von ihren Klassenkameraden gemobbt werden, kann das für die Betroffene noch lange negative psychische und soziale Folgen mit sich bringen.

